Die Erosive Keratitis (Hornhautentzündung)

Autorin: Dr. med. vet. Sunayana Mitra


erosive Keratitis, typisch, der Farbstoff zieht unter die lose Hornhautschicht

Bei der erosiven Keratitis typisch, der Farbstoff zieht unter die lose Hornhautschicht

1. Die Erosive Keratitis

Synonym: refractory epithelial erosions, recurrent erosion syndrome, persistent corneal ulcer, Boxer ulcer etc.

Die erosive Keratitis ist eine Erkrankung der Hornhaut, bei der sich das oberflächliche Hornhautepithel von der nächsten Schicht stellenweise ablöst.

Daher wird es auf der darunter liegenden Schicht verschieblich und kann durch die Reibung des Lidschlages einreißen. Jeder weitere Lidschlag zieht das lose Hornhautepithel weiter ab, sodass ein Defekt mit umgeschlagenen Hornhautepithelrändern entsteht.

Die Anwendung von Augentropfen ist in diesem Zustand äußerst schmerzhaft, da sie die oberste Hornhautschicht abhebern. Augensalben werden deutlich besser toleriert.

 

2. Entstehung

Die Ursache der Erkrankung wird in einer ungenügenden Ausbildung von sog. Hemidesmosomen in der Basalmembran (basal membrane dystrophy) vermutet.

Die Hemidesmosomen sind kleine Zellauswüchse, die in der Grenzschicht zwischen Hornhautepithel und Hornhautstroma liegen. Sie sind für das Anheften der einzelnen Schichten verantwortlich.

Im zweiten Lebensabschnitt der betroffenen Tiere sind die Hemidesmosomen so weit degeneriert,dass sie ihre Kittfunktion nicht mehr ausüben können. An diesen Stellen der Hornhaut löst sich dasEpithel und es entsteht ein Hornhautulkus mit dem typisch losen Epithelrand.

 

3. Anzeichen

Die Tiere zeigen plötzliche und sehr starke Augenschmerzen:

  • Tränen
  • Lichtscheue
  • Zukneifen des betroffenen Auges
  • deutliche Rötung der Sklera (weiße Augenhaut)
  • Schwellung der Konjunktiven (Bindehäute)

Diagnose

Das abgehobene Hornhautepithel wird durch Eintropfen von Fluoreszein, einem diagnostischen Farbstoff, sichtbar gemacht.

Das Fluoreszein breitet sich unter dem losen Hornhautepithel aus. Anhand einer speziellen Lupenvergrößerung (Spaltlampe) können wir den ganzen Defekt, der weit unter die Ulkusränder gehen kann, als hellgrünen unscharf begrenzten Fleck auf der Hornhaut erkennen.

Fehlt im Zentrum des Defektes schon Hornhautepithel, stellt sich dieser Bereich in blauem Licht sattgrün dar.

 

4. Therapie

Die Heilung eines Hornhautepitheldefektes erfolgt durch Einwanderung und Vermehrung von Zellen, die vom Hornhautrand in Richtung Zentrum wachsen. Auf diese Weise entstehen eine neue Zellschicht und eine neue Basalmembran mit Hemidesmosomen. Die losgelöste defekte Schicht muss entfernt werden, damit dieser Mechanismus zur Heilung führt.

Der Heilungsprozess braucht die allerbesten organischen und stoffwechelbedingten Voraussetzungen. Er wird gestört durch viele Möglichkeiten wie

  • trockene Hornhaut ( KCS)
  • reizende Härchen aus dem Lidrand (Distichen)
  • fehlgewachsene Härchen (ektopische Cilien)
  • krankhafte Veränderungen der Hornhaut (Glaukom, Exophthalmus)
  • Innervierungsstörung der Hornhaut u.v.a.m.

Alle Störfelder müssen ausgeschlossen werden.

Die Behandlung der erosiven Keratitis fordert vom Tierbesitzer viel Geduld und Verständnis!

Der Patient muss sich alle ein bis zwei Stunden mit verschiedenen Augentropfen und -salben behandeln lassen. Für jeden Patienten wird ein Therapieplan erstellt, der seiner Erkrankung angepasst ist. Kein Augenpräparat darf zu einer Abwehrreaktion führen! Im Zweifelsfall muss das Präparat gewechselt werden, um Unverträglichkeiten zu vermeiden.

Das lose Hornhautepithel muss, je nach Grad der Erkrankung, evtl. in Allgemeinnarkose unter einem Operationsmikroskop bis in das gesunde Gewebe hin abgetragen werden. In hartnäckigen Fällen wird anschließend die Hornhautoberfläche bei Hunden rasterförmig eingeritzt, um die Heilung zu mobilisieren.

Die Hornhautwunde wurde bisher durch eine Nickhautschürze vor dem störenden Lidschlag geschützt, die drei Wochen belassen wurde. Nach Ziehen der Nickhautschürze war es durchaus möglich, dass sich das Hornhautepithel an der einen oder anderen Stelle nicht fest angeheftet hat.

An diesen Stellen haben sich die kittenden Hemidesmosomen ungenügend nachgebildet (basal membrane dystrophy). Oft muss man mehrmals solche losen Epithelstellen unter Lokalanästhesie abtragen. Es kann Wochen und Monate dauern, bis die erosive Keratitis endgültig verheilt ist (refractory erosive keratitis).

Inzwischen wird der dreiwöchige Schutzverband durch die Anwendung von weichen Kontaktlinsen ersetzt. Sie können über viele Wochen im Auge verbleiben und lassen eine angepasste Therapie unter Sichtkontrolle zu. Außerdem kann der Hund auf diesem Auge weiterhin sehen und zeigt in kürzester Zeit weniger Schmerzen. Selten fällt die Kontaktlinse zu früh von selbst heraus.

Auf Grund der angeborenen Veranlagung, der ungenügend ausgebildeten Basalmembran und äußeren Einflüssen, kann das Partnerauge die gleiche Erkrankung meist ein Jahr später bekommen.

Deshalb empfehlen wir auch die gesunden Augen vor schädlichen Umwelteinflüssen wie Wind und Wetter, Staub, Rauch, ätzende Dämpfe usw. zu schützen.

 

chronischer Hornhautdefekt, Narbengewebe zieht in die Hornhautschichten

Ein chronischer Hornhautdefekt, Narbengewebe zieht in die Hornhautschichten