Taube Hunde

Autorin Dr. med. vet. Nina Müller

1. Der Gehörsinn
Das Hören geschieht durch die Wahrnehmung des Schalls, über den äußeren Gehörgang (Außenohr), das Trommelfell, die Gehörknöchelchen (Hammer, Amboss, Steigbügel) des Mittelohres und die Hörschnecke (Innenohr), wo die neutralen Haarzellen die Schallwellen in Nervenzeize umwandeln und über den Hörner und den Hirnstamm an die Horrende des Großhirns weiterleiten. Dort tritt das Gehörte dann in unser Bewußtsein.
Erst im Alter von drei Wochen ist der Gehörgang bei Hundewelpen geöffnet, sodass dieser Sinn aktiv werden kann.
Gesunde Hunde hören ca. 75-50.000 Hz ( Schwingungen pro Sekunde), Menschen dagegen nur 20-20.000 Hz.


2. Die angeborene vererbte Taubheit bei Hunden
Leider kommt es bei manchen Rassen zu vermehrtem Vorkommen tauber Hunde. Nicht bei allen ist die Vererbung sicher, allerdings bei ca. 60 Hunderassen unumstritten.. Nur durch eine genaue Statistik, eine möglichst lückenlose audiometrische Untersuchung und parallel einer Blutuntersuchung durch ein entsprechendes Institut kann die Vererbung letztendlich bewiesen, verstanden und bekämpft werden.
Nach einer Untersuchung von Dr. George M. Strain, Professor für Neurowissenschaften, Louisiana (www.lsu.edu/deafness/breeds.htm) tritt die angeborene Taubheit bei folgenden Rassen häufiger auf:
Dalmatiner 30% der Tiere taub, davon 8 % beidseitig,
Weißen Bullterriern 19% taub, davon 2% beidseitig,
Englisch Setter14% taub, davon 2% beidseitig
Jack Russel Terrier 19% taub, davon 10% beidseitig.
Allerdings handelt es sich hier um eine amerikanische Studie, also auch um deren Gen-Pool.
Das Vorkommen in Europa ist geringer.
Die angeborene sensoneurale Taubheit, die in der Regel erblich bedient ist, entsteht vor allem bei weißen Rassen mit dem Merle- bzw. Scheckungsgen. Durch die Unterdrückung der Pigmentzellen (Melanozyten) wird eine Degeneration der Blutversorgung der Hörschnecke (Cochlea) hervorgerufen. Die Schicht am äußeren Rand des Schneckenganges (Stria vascularis) bildet dann die Flüssigkeit um die Haarzellen nicht mehr. Pigmentzellen scheinen für den Erhalt der Stria wichtig zu sein. Dadurch gehen die Haarzellen zu Grunde und können sich nicht mehr regenerieren.
Bei dem Untergang von Nervenzellen (Haarzellen) spricht man von sensoneuraler Taubheit. Diese Taubheit ist also endgültig und nicht behandelbar.


3. Die erworbene, nicht vererbte Taubheit
Diese Form der Taubheit entsteht durch Schädigung des Embryos im Mutterleib ( durch für das Ohr giftige (ototoxische) Substanzen, durch intrauterine Infektionen, durch Sauerstoffmangel oder Trauma).
Außerdem degeneriert der Hörsinn im Alter, was zur Altersschwerhörigkeit bis zur Alterstaubheit führen kann. Hier können zeitweise Tabletten zur Durchblutungsförderung helfen.


4. Die Taubheit durch Behinderung der Schallwellen
Bei einer Behinderung der Leitung bzw. Übertragung der Schallwellen spricht man von Conduktions-Taubheit. Angeboren, aber nicht vererbt, kann diese Form der Taubheit durch Missbildungen der Ohranteile verursacht sein.
Eine erworbene Conduktions-Taubheit im Laufe des Lebens kann auch durch zerstörerische hochgradige Infektionen hervorgerufen werden. Hier kann der Gehörsinn auch nur vorübergehend oder auch nur teilweise eingeschränkt sein, zum Beispiel bei einer Mittelohrentzündung oder bei einem massiven Zuschwellen eines entzündeten Gehörganges. Auch ein beschädigtes Trommelfell durch Fremdkörper (Grande) kann sich wieder schließen.

5. Die Diagnose
Eine objektive Diagnose der einseitigen oder beidseitigen Taubheit kann nur mittels der Audiometrie gestellt werden.

6. Das Zuchtprogramm gegen Taubheit
Der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) schreibt als Zuchtmaßnahme allgemein vor, erbliche Defekte durch geeignete Zuchtprogramme zu bekämpfen. Außerdem wird die Zuchtzulassung widerrufen, die Nachkommen eine für diese Rasse besondere Häufung erblicher Defekte nachgewiesen wurde. Diese Auflagen dienen zum Erhalt gesunder Rassen.
http://www.vdh.de/ueber-den-vdh/satzung-ordnungen/
Der Vorreiter auf diesem Gebiet ist der Dalmatiner. Der Zuchtverband schreibt schon seit Jahrzehnten die audiometrische Untersuchung für Zuchttiere vor. Auch die Welpen werden routinemäßig im Alter von 6-7 Wochen untersucht.
Inzwischen haben auch Zuchttiere der Parson und Jack Russel Terrier, sowie der Miniatur Bullterrier diese Auflage.
Der Erbgang ist noch nicht genau nachgewiesen und wird als polygenetisch vermutet.


7. Das Verhalten beidseitig tauber Hunde
Schon der erfahrener Züchter bemerkt in der Regel, dass ein tauber schlafender Welpe deutlich später aufwacht als seine Geschwister. Da er sich in seinem Verhalten aber sehr nach seinen Geschwistern orientiert, kann er sein Handicap durchaus kaschieren. Außerdem reagieren diese Hunde feiner auf Erschütterung und Luftzug, da alle anderen Sinne besser genutzt werden. So kann die Taubheit auch vorerst kaum auffallen.
Einseitig taube Hunde fallen dagegen garnicht auf, sie lernen schnell mit dem eindimensionalen Eindruck an Geräuschen umzugehen.
Im Alltag fällt dem Besitzer eines völlig tauben Hundes auf, dass er auf Geräusche wie Klatschen nicht reagiert oder dass er selbst bei lauten Geräuschen weiterschläft oder nicht merkt, wenn die Besitzer nachhause kommen.
Die Ohren richten sich nicht nach aufkommenden Geräuschen. Bei Kontaktaufnahme von hinten oder aus dem Schlaf erschrickt er leichter als andere.
Der taube Hund gehört in die Hand eines erfahrenen Hundehalter, da die Kommunikation auch unter Artgenossen eingeschränkt ist. Die Hundehalter müssen ihren tauben Hund besonders auf Hand- und Sichtzeichen prägen und möglichst von vorne ansprechen. Auch beim Aufwecken sollten Sie immer gleich und behutsam vorgehen und ein Erschrecken vermeiden.

8. Die Augen tauber Hunde
Außerdem sind die Augen dieser Hunde besonders zu beobachten, damit nicht leichtsinnig ein weiterer Sinneswahrnehmung aufs Spiel gesetzt wird. Bei Veränderungen sollten diese Hunde schneller einem auf Augenheilkunde spezialisierten Tierarzt vorgestellt werden als andere.

9. Links
Weitere interessante Informationen finden Sie unter

www.kleintiermedizin.ch/hund/taubheit/taubheit3.htm

www.svk-asmpa.ch/hund/taubheit/taubheit5.htm

www.leveste.de/dalmaweb/ohrinnen.htma/a>
www.lsu.edu/deafness/deaf.htm