Audiometrie (Hörtest bei einseitiger oder beidseitiger Taubheit)

Autorin Dr. med. vet. Nina Müller

1. Die angeborene, vererbte Taubheit
Die angeborene Taubheit tritt in Verbindung mit fehlenden Pigmentzellen (Melanozyten) auf und ist daher bei weißen Katzen mit blauen Augen und weißen Hunden mit Merle- oder Scheckungsgenen häufiger als bei anderen Tieren.

Die sensoneurale Taubheit ist durch einen Verlust der Haarzellen der Hörschnecke verursacht. Dieser kann selten durch Substanzen entstehen, die auf das Gehör giftig wirken. Häufiger tritt jedoch die angeborene, vererbte, sensoneurale Taubheit auf, bei der die Hörschnecke durch eine Degeneration der Blutversorgung einen unwiederbringlichen Verlust der Haarzellen erleidet.
Bei Dalmatinern entwickelt sich das Gehörs bis zu dem Alter von drei Wochen normal, dann entsteht in den nächsten Wochen die Degeneration, sodass der elektrodiagnostische Hörtest üblicherweise erst im Alter von 5-8 Wochen durchgeführt wird.

2. Die Diagnose
Eine objektive Diagnose der einseitigen oder beidseitigen Taubheit kann nur mittels der Audiometrie gestellt werden. Bei selbstgemachten Geräuschen wie Klatschen oder Stampfen nehmen die tauben Tiere Erschütterungen und Luftzüge wahr, da die restlichen Sinne zum Ausgleich des fehlenden Gehörs stärker genutzt und sensibilisiert werden. Eine einseitige Taubheit kann kaum durch das Verhalten alleine festgestellt werden.
Außerdem muss der Gehörgang frei von Entzündungen und verstopfendem Ohrenschmalz sein, um von einer erworbenen Blockade der Schallübertragung zu unterscheiden.

3. Die Definition der Audiometrie (AEP, BAER)
Die Audiometrie, AEP (auditiv evozierte Potential), BAER (brain stem auditory evoked response) misst, ähnlich wie bei der Herzuntersuchung mittels EKG, die elektrische Aktivität in der Hörschnecke (Cochlea), dem Hörnerv (Nervus vestibulocochlearis) und der Hörrinde (auditiver Cortex) des Gehirns auf Klickgeräusche im Ohr. Sie ist eine fequenzunabhängige Untersuchung und kann den Hörverlust nicht nach Dezibel aufschlüsseln. Das Ergebnis zeigt nur das Vorhandensein oder Fehlen des Hörvermögen an. Die Ohren können hierbei einzeln getestet werden.

4. Vorbereitung auf den Hörtest
.Für eine eventuelle Sedation darf der Patient 12 Stunden kein Futter zu sich nehmen. Das Wasser darf stehen bleiben. Bitte bringen Sie eine Decke mit, damit ihr Liebling auf seinem vertrauten Geruch einschlafen kann. Gerne bereiten wir die oft eintretende Übelkeit bei Sedationen und Narkosen mit Hilfe einer Tablette für den Vorabend vor.

5. Die Audiometrie in unserer Praxis
Die Audiometrie kann je nach Gemüt in Ruhe ohne Sedation durchgeführt werden. In unserer Praxis bleiben die Besitzer bei ihrem Tier, sodass es möglichst entspannt ist und sich nicht bewegt. Muskelreaktionen stören die Aufzeichnung der Kurven. Der Test dauert ca. 10-15 min.
Die Tiere bekommen feinste Nadelelektroden in die Kopfhaut eingeführt, vor das jeweilige Ohr, an die Stirn und an den Hinterkopf. In das jeweilige Ohr kommt ein Schaumstoffstöpsel, der die Klickgeräusche aussendet.
Diese Prozedur ist nicht schmerzhaft. Allerdings kitzeln die Drähte mache Tiere, sodass eine kurze Sedation nötig ist. Viele Zuchtverbände schreiben ebenfalls eine Sedation für die Zuchtuntersuchung vor, um zuverlässige unverfälschte Ergebnisse zu erhalten. Beruhigungsmittel und Narkose beeinträchtigen das Testergebnis nicht.

6. Das Ergebnis
Die Audiometriekurve (AEP) eines gesunden Tieres zeigt sechs deutliche Wellen, die von den elektrischen Aktivitäten auf die Klickgeräusche in der Hörschnecke, dem Hörnerv, dem Hirnstamm und der Hörrinde oder Hörzentrum des Gehirns hervorgerufen werden.
Die Kurven eines tauben Ohres sind flach.

7. nach dem Hörtest

Nach einer Sedation bekommt unser Patient eine Aufweckspritze und darf im Beisein seiner Bezugsperson wieder zu sich kommen, sodass er nach ca. 30 Minuten die Praxis wach und gehend wieder verlassen kann.

Wenn der Gleichgewichtssinn wieder völlig in Ordnung ist, dürfen die Patienten öfter kleine Mengen Wasser trinken. Wenn das Trinken ohne Verschlucken klappt, dürfen sie eine leichtverdauliche Mahlzeit auf mehrere kleine Portionen verteilt zu sich nehmen. Den Rest des Tages sollten sie geschont werden und sich nicht weiter anstrengen. Am Folgetag ist alles wieder normal.

Genauere Informationen zum Entstehen der Taubheit, dem Vorkommen und dem Umgang mit tauben Tieren finden Sie unter:

Taube Hunde

Taube Katzen