Die Herpeskeratitis der Katze

Autorin: Dr. med. vet. Sunayana Mitra / Dr. med. vet. Nina Müller


Das Herpesvirus bringt Gefäße in die Hornhaut

Das Herpesvirus bringt Gefäße in die Hornhaut

1. Ansteckung

Herpesviren kommen überall in der Umwelt vor.

Es gibt ca. 120 Herpes-Stämme, die verschiedene Tierarten und den Menschen befallen können (z.B. die sog. Fieberbläschen beim Menschen, Gürtelrose, Maul- und Klauenseuche bei Wiederkäuern u.v.a.m.).

Bei der Katze spielt das feline Herpesvirus FHV 1 eine besondere Rolle.Dieses ist für Menschen nicht ansteckend!

Es ist erstens

Bestandteil des gefürchteten Katzenschnupfenkomplexes

und verursacht zweitens

eine ernsthafte Bindehaut- und Hornhautentzündung.

Die Ansteckung erfolgt, wie beim Grippevirus über die Luft, über direkten und indirekten Kontakt mit erkrankten Tieren, über Menschen als Vektoren und während der Trächtigkeit auf sich entwickelnde Welpen.

Bei neugeborenen Kätzchen kann die Herpes assoziierte Bindehautentzündung zu Verklebung der Augenlider und/oder zu Verklebungen der Bindehaut mit der Hornhaut führen (Ophthalmitis neonatorum mit Bildung eines Symblepharon).

Junge Kätzchen ungeimpfter Elterntiere ( sog. Bauernhofkatzen ) entwickeln unter dem Stress des Ortswechsels und der damit verbundenen Senkung der Immunabwehr, oft eine herpesinduzierte Bindehautentzündung, die nicht unbedingt mit Anzeichen eines Katzenschnupfens einhergehen muss.

Trotzdem setzt sich das FHV 1 in den Schleimhäuten der Nase, der Mandeln, der Bindehäute, in der Hornhaut und vor allem in den sensorischen Ganglien fest. Aufgrund der Vorliebe zu den Nerven ist auch der Schmerz so heftig.

Bei entsprechend auslösenden Faktoren vermehrt es sich an dem einen oder anderen Ort und führt zur Erkrankung.

Ältere Katzen können latent infiziert sein und in jedem Lebensabschnitt an einer Bindehaut- oder / und Hornhautentzündung eines oder beider Augen erkranken, wobei eine Schwächung des Abwehrsystems immer eine Rolle spielt.
Zur Schwächung des Abwehrsystems führen z.B. alle Stresssituationen (Ortswechsel, neue Katze im Haus, Krankheiten, Trächtigkeit usw.)

 

2. Krankheitsverlauf der Augenentzündung durch Herpes

Die ersten Anzeichen bei der Herpeskonjunktivitis (Bindehautentzündung) sind Tränenfluss, Blinzeln, Schwellung und Rötung der Bindehäute.

Nur durch die Untersuchung mittels einer Spaltlampe (10- bis 16-fache Vergrößerung) bzw. einer Spezialanfärbung der Hornhaut mit Bengalrosa können in diesem Stadium schon feinste, sich ästelnd verzweigende Linien als Defekte (Risse) der obersten Epithelschicht erkannt werden und damit den Beweis einer Herpesinfektion erbringen.

Auch wenn die Bindehautentzündung klinisch abgeheilt ist, kann sich bei verminderter Abwehrlage eine Herpeskeratitis (Hornhautentzündung) entwickeln, weil das in den Ganglienzellen schlafende Virus immer wieder aktiv werden kann.

Die chronische Herpeskeratitis entsteht schleichend. Die Hornhaut wird herdförmig eingetrübt, was man in einer gräulichen Verfärbung sieht. Erkrankte Katzen blinzeln stark, da die Oberfläche der Hornhaut sehr empfindlich ist (sensorische Innervation), das betroffene Auge ist weniger weit geöffnet. Sie tränen und sind unlustig, fressen schlecht und schlafen viel.

Im weiteren Verlauf können Gefäße von der Bindehaut her in die Hornhaut einwachsen, die wie feine rote Fäden aussehen. Die Hornhaut trübt sich weiter ein, sie wird grau und immer undurchsichtiger, weil jetzt auch die tieferen Gewebeschichten, das sog. Hornhautstroma, befallen sind.
Durch Ödembildung können Bläschen entstehen, die durch mechanischen Reiz (Lidschlag, Reiben, Kratzen) platzen. Aus diesem Grund vermeiden wir bei Katzen i.d.R. kortisonhaltige Augenpräparate. Denn bis zu 80% aller Katzen tragen ein schlummerndes Herpesvirus, ohne ersichtlich krank zu sein.

Die Folge ist ein Hornhautdefekt mit unregelmäßigen Rändern, der sich mit Fluoreszein (einem grünen Farbstoff) anfärben lässt. Diese losen Epithelränder sind besonders schmerzhaft und müssen entfernt werden. 

Bakterien finden in diesem Stadium einen guten Nährboden, wodurch es zu einer eitrigen Sekundärinfektion mit gelblich- schleimigem Augenausfluss kommen kann.

 

3. Die Behandlung der Herpeskeratitis

 

  • antivirale Augensalben, -tropfen und Tabletten gegen das Virus selbst,
  • antibiotische Augensalben, -tropfen gegen die bakterielle Sekundärinfektion,
  • gleitende Augensalben oder Augengel für einen reibungslosen Lidschlag,
  • Tränenflüssigkeitsersatz bei chronischer Herpesinfektion, da sie zum trockenen Auge führt,
  • Abwehrsteigerung
  • Debridement (Abtragen) der losen Hornhautepithelränder
  • Kontaktlinse zum Schutz der Hornhaut
  • mikrochirurgische Opertion bei tieferen Hornhautdefekten (Sequester).

Da das Herpesvirus nicht aus dem Körper eliminiert werden kann, d.h. latent in den Geweben bleibt, ist ein Rückfall nach klinischer Gesundung immer möglich. Deshalb ist die Wahrung einer guten Abwehrlage bei der Katze äußerst wichtig.

Dazu tragen regelmäßige Impfungen gegen Katzenschnupfen und -seuche (auch bei reinen Hauskatzen), harmonische Haltungsbedingungen, wertvolles Futter und aufmerksame Beobachtung des Tieres bei.
Bei der geringsten Entzündung der Augen ist es ratsam, das Tier dem Haustierarzt vorzustellen oder gleich einen auf Augenheilkunde spezialisierten Tierarzt aufzusuchen.

4. Folgen einer Herpeskeratitis

Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen ist auch die Entstehung des Corneasequesters (zentrale Hornhautnekrose) der Perser- und anderen Hauskatzen auf eine Herpesinfektion zurück zu führen.

Die eosinophile Keratitis entsteht nach einer stattgefundenen Herpesinfektion und ist auf eine entgleiste Immunreaktion zurückzuführen. Diese Erkrankung ist die einzige Indikation für lokale kortisonhaltige Augenräparate bei der Katze! Allerdings muss damit äußerst zurückhaltend umgegangen werden, da jederzeit eine akute Herpesinfektion mit geplatzen Honhautbläschen auftreten kann und dann kortisonhaltige Augenpräparate absolut verboten sind!

Meist entsteht auch ein trockenes Auge , da das Herpesvirus die Nervenfasern der Hornhaut schädigt, und somit die Kommunikation zur Tränendrüse einschränkt. In diesem Fall müssen dauerhaft wässrige oder gelhaltige Augentropfen bzw. Augelsalben zur Hornhautpflege eingesetzt werden.

Eine Behandlung mit Cyclosporin Augentropfen -wie beim Hund bei autoimmubedingter Keratitis sicca- ist nicht sinnvoll! Der Grund des trockenen Auges ist eine Herpesinfektion und eine immunsuppressive Therapie kann durchaus einen neuen schmerzhaften Entzündungsschub hervorrufen.

Eine Katze ist kein kleiner Hund!

 

 


fortgeschrittene eosinophile Keratitis

fortgeschrittene eosinophile Keratitis









massive Herpes- und Chlamydienerkrankung durch Katzenschnupfen

massive Herpes- und Chlamydienerkrankung durch Katzenschnupfen

Symblepharon, die Bindehaut ist mit der Hornhaut verwachsen

Symblepharon, die Bindehaut ist mit der Hornhaut verwachsen

Eine Kontaktlinse erkennt man an den schwarzen Punkten

Eine Kontaktlinse erkennt man an den schwarzen Punkten

die eosinophile Keratitis der Katze

Der Beginn einer eosinophilen Keratitis nach einer Herpesinfektion

eosinophile Plaque nach Herpeskeratitis

eosinophile Plaque nach Herpeskeratitis

massives Sympblepharon

massives Sympblepharon, Herpesinfektion im Mutterleib